Yünan / Dali / Die Stadt
Viele Jahrhunderte lang war die
wichtigste Stadt Yünans, weit wichtiger als Kunming. Denn
Dali war die Hauptstadt des Thai-Königreichs Nanchao, dessen
Macht lange bis tief nach China hineinreichte. Das Königreich
Nanchao wurde im 13. Jahrhundert von den Mongolenhorden des Kublai
Khan überrannt.
Jahrhunderte später, Mitte des
19. Jahrhunderts, war Dali das Zentrum eines islamischen Sultanats,
und die Hauptstadt der chinesischen Provinz Yünan, Kunming,
wurde von Dali aus mehrfach angegriffen und gebrandschatzt.
Bis heute setzt sich die Bevölkerung
Dalis hauptsächlich aus Angehörigen des Bai-Volksstammes
zusammen, einer der wichtigsten Minorität in Yünan.
Die Bais sind eng verwandt sowohl mit den Thais Thailands, als
auch mit den Dais, einer anderen wichtigen Minorität Yünans.
Tatsächlich entwickelten sich die
Thais Thailands erst zu einer eigenen ethnischen Gruppe, nachdem
die Mongolenhorden des Kublai Khans das Nanchao-Königreich
überrannt hatten. Nach der Niederlage wanderte der grösste
Teil der Nanchao-Aristokratie, und ein wesentlicher Teil ihrer
Untertanen, nach Süden aus, in das damals nur dünn besiedelte
Gebiet des heutigen Thailand, das zur damaligen Zeit von den Angkor-Khmers
beherrscht, aber nicht sonderlich stark kontrolliert worden war.
Die Gruppe miteinander verwandter Volksstämme,
die heute als Thais, Dais, Bais, sowie mit verschiedenen anderen
Namen bezeichnet werden, haben die Dali-Region für über
3000 Jahre besiedelt. Unter den Thais in Thailand ist bis heute
das Bewusstsein weit verbreitet, dass Yünan die Region ist,
aus der die Thais ursprünglich abstammen.
Wie Kunming, rund 400 Kilometer östlich,
so liegt auch Dali an einem wichtigen See, dem Erhai-See. Und
wie Kunming, so liegt auch Dali auf einer Meereshöhe von
etwa 1900 Metern.
Eine der wichtigsten Attraktionen Dalis
ist ganz einfach die umliegende Landschaft. Westlich der Stadt
liegt der Cangshan-Gebirgszug, dessen Gipfel deutlich über
die 4000-Meter-Marke hinausragen, und der wie die Westlichen Berge
Kunmings von einer Vielzahl von Tempeln und Klöstern geschmückt
wird. Im Gegensatz zu den Han-Chinesen hängen die Dais und
Bais dem Hinayana-Buddhismus an, so dass man immer wieder Mönche
in Saffran-Roben sieht.