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VIETNAM
Geschichte / Vietnam-Kriege
In einer Deklaration, die er in Hanoi am 2. September 1945
öffentlich verliest, erklärt Ho Chi Minh Vietnam
für unabhängig. Doch während in Süd-Vietnam
die kommunistischen Viet Minh die französische Kolonialverwaltung
schon von Anfang an in einen Guerilla-Krieg verwickeln,
lässt sich Ho Chi Minh in seiner Funktion als Führer
der Unabhängigkeitsbewegung für Nord-Vietnam auf Verhandlungen
mit Frankreich ein. Der Grund: in Nord-Vietnam halten sich
zu diesem Zeitpunkt auch nationalistische chinesische Truppen
in einer Stärke von über 180.000 Mann auf, und die Viet
Minh fühlen sich nicht stark genug, ihren Befreiungskrieg
gleichzeitig gegen die französische Kolonialmacht und die
chinesischen Truppen zu führen.
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Nachdem die Franzosen ihre koloniale Verwaltung in Vietnam wieder
aufgebaut haben, vereinbaren sie 1946 mit den chinesischen
Nationalisten einen Abzug der chinesischen Truppen aus
Vietnam. In den folgenden Jahren verstärken die Viet Minh
sowohl in Süd-, als auch in Nord-Vietnam ihre Angriffe auf
französische Kolonialtruppen. Während es den französischen
Kolonialtruppen gelingt, die Kontrolle über die Städte
zu behalten, werden immer weitere Landstriche von den Viet Minh
regiert.
Am 20. November 1953 richten die französischen Kolonialtruppen
in Dien Bien Phu, einem breiten Tal im unwegsamen Bergland
an der Grenze zwischen Nord-Vietnam und dem nördlichen Laos,
eine Garnison mit 16.000 Mann ein. Von Dien Bien Phu aus soll,
so die französische Strategie, die Grenzregion zwischen den
beiden Ländern überwacht werden. Dies wird für
nötig erachtet, weil die Viet Minh die kommunistische Bewegung
in Laos, Pathet Lao, mit Waffen versorgt.
Obwohl das französische Militär geglaubt hatte, das
19 Kilometer lange und 13 Kilometer breite Tal von Dien Bien Phu
sei im unwegsamen Gebirge zwischen Vietnam und Laos vor Angriffen
durch die Viet Minh sicher, rücken in den folgenden Wochen
und Monaten vietnamesische Truppen unter General Giap auf
Dien Bien Phu vor. Mit Hilfe von bis zu 200.000 Trägern schaffen
die Viet Minh ausserdem schwere Artillerie auf die Bergrücken
rund um das Tal Dien Bien Phu.
Im März 1954 beginnen die Viet Minh mit ihren Angriffen
auf die französische Garnison in Dien Bien Phu. Am 7.
Mai 1954 erobern die Viet Minh die Befehlszentrale der Garnison
von Dien Bien Phu; französische Kolonialtruppen in einer
Stärke von rund 9500 Mann ergeben sich. Über 20.000
Viet Minh und über 3.000 Mann auf Seiten der französischen
Kolonialtruppen sind in der Schlacht um Dien Bien Phu gefallen.
Für die französischen Kolonialtruppen ist es eine der
schwersten Niederlagen ihrer Geschichte. Insgesamt sind im 9jährigen
Krieg zwischen den Viet Minh und der französischen Kolonialmacht
zwischen einer halben und einer Million Zivilisten, 200.000 bis
300.000 Viet Minh und etwa 95.000 Mann der französischen
Kolonialtruppen ums Leben gekommen.
Am 20. Juli 1954 einigen sich in Genf Unterhändler
der Viet Minh und Frankreichs auf eine Teilung Vietnams in zwei
Staaten: ein kommunistisches Nord-Vietnam und ein kapitalistisches
Süd-Vietnam.
In den Jahren 1959-1963 steuert die kommunistische Regierung
Nord-Vietnams, die in den Jahren nach Dien Bien Phu zunächst
davon ausgegangen war, die kommunistischen Guerilla im Süden
des Landes könnten von sich aus die Diem-Regierung
stürzen, einen Kurs sich eskalierender militärischer
Konfrontation. Nord-Vietnam infiltriet den Süden mit über
40.000 Guerilla und versorgt die Kommunisten in Süd-Vietnam
über den Ho-Chi-Min-Pfad, der auf laotischem und kambodschanischem
Gebiet verläuft, mit Waffen.
1961 schickt der neu gewählte US-Präsident
Kennedy die ersten 100 Militärberater und eine Spezialeinheit
von 400 Soldaten nach Vietnam. Schon im nächsten Jahr erhöhen
die USA ihr Truppen-Kontingent in Vietnam auf 11.000 Soldaten.
In der Bucht von Tonkin werden am 2. August 1964 zwei amerikanische
Kreuzer von vietnamesischen Patrouillenbooten beschossen. Die
USA behaupten, die Kreuzer hätten sich in internationalen
Gewässern befunden, und nehmen den Zwischenfall zum Anlass,
erstmals Ziele in Nord-Vietnam zu bombardieren. Erst 1971 wird
bekannt, dass sich die beiden amerikanischen Kriegsschiffe innerhalb
der Territorialgewässer Nord-Vietnams aufgehalten hatten.
Im März 1965 beginnt die US-Luftwaffe die Operation
Rolling Thunder, das amerikanische Flächenbombardement
Nord-Vietnams. In den nächsten 3½ Jahren werden über
Nord-Vietnam doppelt so viel Bomben abgeworfen wie im gesamten
Zweiten Weltkrieg. Nord-Vietnam antwortet mit einer völligen
Dezentralisierung der Wirtschaft und der Evakuierung
von Hunderttausenden von Menschen aus den Städten, damit
sowohl Industrieanlagen als auch die Bevölkerung ein weniger
leichtes Ziel abgeben.
Auf der Höhe des Vietnam-Krieges, 1968, haben die
USA rund eine halbe Million Soldaten in Vietnam. Australien,
Neuseeland, Süd-Korea, die Philippinen und Thailand stellen
zusammen weitere 90.000 Mann. Die südvietnamesische Armee
hat rund 1½ Millionen Mann unter Waffen. Die kommunistisch
geführte Nationale Befreiungsfront, im amerikanischen
Sprachgebrauch Vietcong, stellt diesem Kontingent etwa
400.000 Mann entgegen.
Am 1. Februar 1968 beginnen die Truppen der Nationalen
Befreiungsarmee mit ihrer gross angelegten Tet-Offensive auf
strategische Ziele in 105 südvietnamesischen Städten.
Obwohl die Vietcong überall ausser in Hué erfolgreich
und schnell zurückgeschlagen werden und ausserordentlich
hohe Verluste erleiden, gilt die Tet-Offensive im Vietnam-Krieg
als Wendepunkt. Denn nach der Tet-Offensive ist die US-Regierung
nicht mehr primär daran interessiert, den Vietnam-Krieg zu
gewinnen, sondern vielmehr daran, sich aus diesem offenbar nicht
zu gewinnenden Krieg zurückzuziehen.
Im Oktober 1968 endet die Operation Rolling Thunder,
der amerikanische Luftkrieg gegen Nord-Vietnam. Die USA beginnen,
Truppen aus Vietnam abzuziehen.
1969 beginnen in Paris Verhandlungen zwischen den USA,
Süd-Vietnam, Nord-Vietnam und dem Vietcong zum Rückzug
der amerikanischen Truppen aus Vietnam.
Bevor die Verhandlungen in Paris ein Ergebnis bringen, reduzieren
die USA 1972 die Stärke ihrer Truppen in Vietnam auf unter
100.000 Mann.
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Am 30. März 1972 startet eine kommunistische Frühjahrsoffensive,
nicht des Vietcong, sondern konventioneller nordvietnamesischer
Truppen, die über die Demarkationslinie, den 17. Breitengrad,
aus Nord-Vietnam in den Norden Süd-Vietnams einfallen. Intensives
Bombardement durch amerikanische Kampfflugzeuge zwingt die nordvietnamesischen
Truppen zum Rückzug.
Bei den Pariser Vietnam-Verhandlungen wird am 27. Januar
1973 ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet,
das noch am selben Tag in Kraft tritt. Schon im März 1973
verlassen die letzten amerikanischen Kampftruppen Vietnam.
Rund zwei Jahre später setzt eine grossangelegte Offensive
Nord-Vietnams ein, mit dem Ziel eines völligen militärischen
Sieges über Süd-Vietnam. Schon wenige Wochen später,
am 30. April 1975 besetzen nordvietnamesische Truppen Saigon
und beenden drei Jahrzehnte Krieg im Lande.
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