Blick vom Goldenen Berg auf Tempel der Altstadt
Bangkoks Geschichte der vergangenen 200 Jahre, und somit die Geschichte Bangkoks als thailändischer Hauptstadt, ist eng verknüpft mit der Geschichte der Chakri-Dynastie, die nach wie vor den thailändischen Thron besetzt, inzwischen aber, ohne das Land auch tatsächlich zu regieren.
Nachdem Chao Phaya Chakri am 20. April 1782 als Rama I zum siamesischen König gekrönt worden war, betraf eine seiner ersten Entscheidungen seine Hauptstadt. In verkürzter Form wird oft behauptet, Rama I hätte Bangkok als seine Hauptstadt gegründet, während zuvor Thonburi die Hauptstadt gewesen sei. Die Geschichte wird in dieser verkürzten Form allerdings nicht korrekt wiedergegeben.
Zum einen wurde Bangkok eigentlich nicht von Rama I gegründet. Die Stadt bestand schon seit Jahrhunderten, und sie war ein wichtiger Stützpunkt Siams im Handel mit Europa. Des weiteren ist die scharfe Trennung zwischen Bangkok und Thonburi geschichtlich nicht gerechtfertigt. Während die europäischen Händler beim Namen Bangkok blieben, einem Namen, den die Siedlung schon als kleines Dorf trug, hiess für Thais die Stadt rechts und links des Chao-Phaya-Flusses lang Thonburi.
Den Namen Thonburi erhielt die Siedlung beiderseits des Chao Phaya, als sie vom Dorf zur Stadt aufgewertet wurde. König Taksin hatte sich Thonburi als Hauptstadt ausgesucht. Und während es zutreffend ist, dass König Taksin seinen Palast und alle wichtigen neuen Gebäude auf dem rechten Ufer des Chao-Phaya-Flusses errichtete, umfasste die Stadt Thonburi doch beide Ufer des Flusses.
König Taksins strategische Idee war es gewesen, den Fluss mitten durch die Hauptstadt fliessen zu lassen, da er nach der Zerstörung Ayutthayas einen neuerlichen burmesischen Angriff fürchtete und der Fluss als letzter Fluchtweg aus der Stadt dienen sollte.
Als jedoch Chao Phaya Chakri (Rama I) König von Siam wurde, war von der burmesischen Bedrohung nicht mehr viel übrig geblieben, und Siam war längst wieder erstarkt. Rama I dachte nicht mehr in Fluchtweg-Kategorien, sondern in Kategorien einer starken Verteidigung. Für eine starke Verteidigung war ein grosser Fluss, der mitten durch die Hauptstadt floss, jedoch eher ein Nachteil, da der Flusslauf nur schwer zu verteidigen sein würde. Er entschloss sich deshalb dazu, den auf dem Westufer des Chao Phaya gelegenen Stadtteil, den heutigen Stadtteil Thonburi, gewissermassen zu räumen und mit seinem Palast und den anderen zentralen Einrichtungen auf das Ostufer umzuziehen - in den Stadtteil, der in vielen westlichen Publikationen als Bangkok im Gegensatz zu Thonburi bezeichnet wird.
Um in günstigster Lage für seinen Palast Platz zu schaffen, wurde ein ganzes von Chinesen bewohntes Viertel des alten Bangkok schlichtweg evakuiert und niedergewalzt. Die chinesische Bevölkerung wurde 3 Kilometer flussabwärts, in einem Gebiet mit Namen Samphaeng, neu angesiedelt. Das Samphaeng-Gebiet ist noch heute die Chinatown Bangkoks.
Der neue grosse Königspalast und der Tempel des Smaragd-Buddha wurden 1785 fertiggestellt. Die Stadt wurde erst zu diesem Zeitpunkt offiziell als Hauptstadt neu eingeweiht und auf den folgenden neuen Namen getauft:
Krung Thep Maha Nakhon Amorn Rattanakosindra Mahindrayutthaya Mahadilokpop Noparattana Radchhani Burirom Udom Rachnivet Mahastan Amorn Pimarn Avatarn Satit Sakatuttiya Vishnukarm Prasit.
Auf deutsch: Stadt der Engel, grosse Stadt und Wohnsitz des Smaragd-Buddha, uneinnehmbare Stadt des Gottes Indra, grosse Hauptstadt der Welt, geschmückt mit neun wertvollen Edelsteinen, reich an gewaltigen königlichen Palästen, die dem himmlischen Heim des wiedergeborenen Gottes gleichen, Stadt, die von Indra geschenkt und von Vishnukarm erbaut wurde.
Der Einfachheit halber wird der Name umgangssprachlich als Krung Thep abgekürzt. Und westliche Besucher sind bis heute bei dem Namen geblieben, den die Siedlung trug, als sie noch ein Dorf war: Bangkok.