Am 24. Juni 1932 stürzt die geheime Volkspartei, der in erster Linie Siamesen angehören, die in Europa ihre Ausbildung erfahren haben, und von denen einige hohe Ämter in der Regierung und in den Streitkräften bekleiden, die absolute Monarchie, während König Prajadhipok sich an seinem Sommerwohnsitz in Hua Hin aufhält. Etwa 40 Prinzen, hohe Regierungsvertreter und führende Militärs werden verhaftet und als Geiseln in der Ananlasanakan Halle in Bangkok festgehalten. Die Gruppe schickt das folgende Telegramm an König Prajadhipok:
"Die Volkspartei, die sich aus Staatsangestellten und Militärs zusammensetzt, hat die Verwaltung des Landes übernommen und Mitglieder der königlichen Familie, wie etwa Prinz Nakhon Sawan, als Geiseln genommen. Wenn Mitgliedern der Volkspartei ein Haar gekrümmt wird, werden die als Geiseln festgehaltenen Prinzen dafür bestraft. Es ist nicht die Absicht der Volkspartei, königlichen Besitz zu enteignen. Ihr Anliegen ist es, eine konstitutionelle Monarchie zu errichten. Wir laden deshalb seine Majestät den König ein, in die Hauptstadt zurückzukehren, um in einer konstitutionellen Monarchie, wie sie von der Volkspartei errichtet wird, als König zu dienen. Sollte seine Majestät sich weigern, dieses Angebot anzunehmen, oder nicht innerhalb einer Stunde auf dieses Telegramm antworten, wird die Volkspartei die konstitutionelle Monarchie trotzdem proklamieren und einen anderen Prinzen, den die Partei für geeignet hält, zum König ernennen.
König Prajadhipok antwortete mit dem folgenden Telegramm:
"Ich habe die Botschaft erhalten, in der Sie mich auffordern, als konstitutioneller Monarch nach Bangkok zurückzukehren. Im Interesse des Friedens, und um unnötiges Blutvergiessen zu vermeiden, ebenfalls um Verwirrung und Verlust für das Land zu verhindern, und im besonderen, weil ich mir schon selbst überlegt habe, diesen Schritt zu tun, bin ich bereit an der Erstellung einer Verfassung mitzuwirken, unter der ich zu dienen bereit bin. Des weiteren würden, sollte ich nicht zur Kooperation bereit sein, ausländische Regierungen die neue siamesische Regierung nicht anerkennen. Dies könnte der Regierung Schwierigkeiten bereiten. Ich bin selbst nicht bei bester Gesundheit. Ich habe keine Kinder, die mir nachfolgen könnten. Meine Lebenserwartung ist nicht hoch, zumindest nicht, wenn ich im Amt bleibe. Ich habe keinen Ehrgeiz nach Positionen oder persönlichem Glanz. Nur mein Streben, der Rasse zu dienen, leitet mich. Nehmen Sie dies als Ausdruck meiner Gefühle entgegen."
Mitglieder der Volkspartei, die die absolute Monarchie stürzten, spielen in der thailändischen Politik der nächsten 30 Jahre eine dominierende Rolle.
Phibul Songkhran wird für 15 Jahre Premierminister, von 1938 bis 1944 und von 1948 bis 1957, zeitweise mit diktatorischer Macht, zeitweise ohne; mal kommt er durch einen weiteren Staatsstreich an die Regierung, mal über Wahlen.
Khuang Aphaiwong kommt vier Mal kurzfristig zum Amt des Premierminister. Die ersten zwei Mal tritt er nach wenigen Wochen zurück, jeweils wegen Meinungsverschiedenheiten mit der Nationalversammlung; das dritte Mal gibt es wenige Wochen nach seinem Amtsantritt Neuwahlen, und das vierte Mal macht, wiederum nach wenigen Wochen, ein Staatsstreich seiner Regierung den Garaus.
Photo: Parlaments-Gebäude in Bangkok
Der bunteste Charakter unter den Revolutionären ist allerdings Pridi Panomyong. In der ersten Regierung der Volkspartei ist er für die Wirtschaft zuständig. Als er kommunistischer Bestrebungen verdächtigt wird, geht er erstmals ins Exil. Dann beteiligt er sich an einem neuerlichen Staatsstreich, durch den Phibul Songkhran an die Macht kommt. Als dieser sich jedoch im Zweiten Weltkrieg auf die Seite der Japaner schlägt, organisiert Pridi Panomyong den Widerstand gegen die Japaner und die Regierung Phibul Songkhrans.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt er zu Ehren und wird Mitglied des Regentschaftsrats. Da andere Mitglieder des Rates sterben oder ausscheiden, ist er nach dem Zweiten Weltkrieg für einige Zeit alleiniger Regent Thailands, an Stelle des minderjährigen Königs Ananda Mahidol.
Für kurze Zeit wird er ausserdem zum Premierminister. Als dann aber das Militär Phibul Songkhran 1948 wieder zum Premierminister macht, versucht er mit Hilfe einer anderen Gruppe der Armee einen neuerlichen Staatsstreich, hat damit aber keinen Erfolg. Pridi Panomyong stirbt 1983 im Alter von 83 Jahren im Exil in Paris. Drei Jahre später wird die Asche des Rebells und Staatsmannes in einer Staatszeremonie im Golf von Thailand ausgestreut.
Während des Zweiten Weltkriegs, am 21. Dezember 1941 schliessen Japan und Siam einen Bündnisvertrag, in dem Japan der Regierung in Bangkok unter anderem verspricht, Gebiete zurückzuerlangen, die einige Jahrzehnte zuvor an das britische Kolonialreich verloren wurden.
Als sich abzeichnet, dass die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg verlieren werden, regt sich in Thailand immer mehr Widerstand gegen Phibul Songkhran, der im Krieg auf Japan gesetzt hatte. Phibul Songkhran wird im Juli 1944 veranlasst, vom Amt der Premierministers zurückzutreten. Eine Gruppe von Politikern, die während des Zweiten Weltkriegs auf Seiten der Alliierten stand, übernimmt im Nachkriegs-Thailand die Staatsführung.
Am 8. November 1947 verübt eine Gruppe von Militärs, der unter anderen Oberst Sarit Thanarat (16. Juni 1908 - 8. Dezember 1963) angehört, einen unblutigen Staatsstreich. Preissteigerungen für Güter des täglichen Bedarfs hatten in den vorhergegangen Wochen für weitverbreitete Unzufriedenheit unter der Bevölkerung gesorgt.
Eine Gruppe von Marine-Offizieren setzt 29. Juni 1951 Premierminister Marschall Phibul Songkhran gefangen, als dieser den Schwimmbagger Manhattan besucht, den die thailändische Marine von den USA als Teil ihrer Militärhilfe überstellt bekommen hat. Die Offiziere konfrontieren den Marschall mit einer Reihe von Forderungen nach einer Umstrukturierung der Regierung.
Zwar wird Marschall Phibul Songkhran nach einigen Tagen freigelassen, scheinbar ohne dass er auf die Forderung der Rebellen eingehen musste, doch unterminiert der Vorfall eindeutig seine Machtstellung. Als neue mächtigste Figuren des Landes zeichnen sich in der Folgezeit General Sarit Thanarat und General Pao ab.
Am 20. Oktober 1958 putscht Armee-Chef Sarit Thanarat erneut, und zwar mit der Begründung, die Regierung werde der wirtschaftlichen Probleme des Landes nicht Herr. Sarit Thanarat bleibt bis zu seinem Tod im Jahre 1963 "starker Mann" in Thailand.
Feldmarschall Thanom Kittikachorn putscht am 17. November 1971 und bringt sich in volle diktatorische Kontrolle über das ganze Land. Er setzt die Verfassung ausser Kraft, löst das Parlament auf, entlässt das Kabinett und erklärt das Kriegsrecht. Als Begründung führt er an, die Verfassung sei nicht effizient, die Parteien nicht kooperativ und ausserdem drohten dem Land Terrorismus und Kommunismus.
Die Revolutionäre Partei, die von Thanom kontrolliert wird, stützt seine diktatorische Regierung. Ein fünfköpfiger Nationaler Exekutivrat wird gegründet, dem Thanom vorsitzt. Unter den anderen Mitgliedern des Rates sind der frühere Premierminister Pote Sarasin und Feldmarschall Prapass Charusathiara.
Eine Demonstration der Studenten wächst sich am 14. Oktober 1973 zu einem kolossalen Massenprotest aus, und es kommt zu Zusammenstössen zwischen Studenten und Ordnungskräften. Bei den sich daraus entwickelnden Strassenschlachten werden mindestens 400 Personen getötet, mehrere tausend verwundet und vier Gebäude niedergebrannt.
Der Tag geht als Wan Maha Wippasok (der tragischste Tag) in die neuere thailändische Geschichte ein. König Bhumiphol überredet Premierminister Feldmarschall Thanom Kittikachorn und seine zwei engsten Vertrauten, den stellvertretenden Premierminister Feldmarschall Prapass Charusathiara und Oberst Narong Kittikachorn (ein Sohn Thanoms), das Land zu verlassen.
Der Rektor der Thammasat-Universität, Sanya Dhammasakdi, wird zum neuen Premierminister ernannt. Für einige Tage herrscht in Bangkok Chaos, da sich Polizei und Militär nicht auf die Strasse trauen, da sie Racheakte von Studentenbanden fürchten, die durch die Stadt ziehen.
Am 1. April 1981 besetzt eine Gruppe jüngerer Offiziere, die später mit dem Namen Jung-Türken versehen wird, unter Führung von General San Chipatima in einem Putschversuch verschiedene Regierungszentren in Bangkok. Die jungen Offiziere behaupten, sie stünden der herrschenden Militär-Clique kritisch gegenüber und unterstützten eine Demokratisierung Thailands. Der allgemeine Eindruck ist dagegen, es handle sich bei den Putschisten nur um eine andere Gruppe machthungriger Militärs. Der damalige Premierminister Prem weicht den Putschisten aus und flieht, zusammen mit der Königsfamilie, nach Khorat.
Die Rebellen halten verschiedene Regierungseinrichtungen für drei Tage besetzt. Die königliche Familie des Landes versagt den Rebellen jedoch die Unterstützung und stellt sich auf die Seite Prems - was über eine Radioansprache von Königin Sirikit kundgemacht wird. Die Unterstützung durch die königliche Familie macht es Prem möglich, loyale Truppen zusammenzustellen und nach Bangkok zu entsenden. Am 3. April ergeben sich die Rebellen. General San Chipatima und andere Führer der Putschisten fliehen aus dem Land.
Auf ein weiteres Mal stürzt am 23. Februar 1991 das thailändische Militär eine gewählte Regierung. In einem unblutigen Staatsstreich unter der Führung des Oberkommandierenden der Streitkräfte, General Sunthorn Kongsompong, und des Armee-Chefs, General Suchinda Kraprayoon, wird die Regierung von General Chatichai Choonhavan abgesetzt; Chatichai und eine Reihe weiterer hochrangiger Politiker werden gefangengesetzt, als sie ein Flugzeug nach Chiang Mai besteigen wollen.
Die Putschisten präsentieren sich als Nationaler Rat zur Erhaltung des Friedens (National Peacekeeping Council), der sich jedoch in den folgenden Monaten nicht in die Alltagsgeschäfte der Regierung einmischen wird. Die Putschisten suspendieren wieder einmal die Verfassung, lösen das Parlament auf und erklären das Kriegsrecht.
Als Begründung für den Staatsstreich führen sie in erster Linie die weit verbreitete Korruption an. Es wird deshalb ein Ausschuss gebildet, dessen Aufgabe die Untersuchung des unerklärten Reichtums zahlreicher Politiker ist. Unter der Hand heisst es jedoch, zu dem Putsch sei es gekommen, weil General Chatichai den politischen Ratschlägen der Militärs zu wenig Beachtung geschenkt habe.
Bei Wahlen am 22. März 1992 werden 11 Parteien ins Parlament gewählt, die in zwei Blöcke fallen, von denen der eine im thailändischen Sprachgebrauch als Pro-Militär-, der andere, oppositionelle, als Pro-Demokratie-Parteien klassifiziert werden.
Es sind dies die folgenden Parteien (in Klammer Anzahl der Abgeordneten): Samakkhi Tham, Pro-Militär (79); Chart Thai, Pro-Militär (74); New Aspiration, Pro-Demokratie (72); Demokratische Partei, Pro-Demokratie (44); Palang Dharma, Pro-Demokratie (41); Social Action, Pro-Militär (31); Prachakorn Thai, Pro-Militär (7); Solidarity, Pro-Demokratie (6); Rassadorn, Pro-Militär (4); Puang Chon Chao Thai (1); Muan Chon (1).
Unter den drei Parteien, die bei den Wahlen die meisten Stimmen erhalten, waren zwei, die Samakkhi Tham und die New Aspiration, erst nach dem Militärputsch vom 23. Februar 1991 gebildet worden. Die Chart Thai war aus den vorangegangenen Wahlen von 1988 als stärkste Kraft hervorgegangen, hatte aber nach dem Putsch ihre gesamte Führung ausgewechselt.
Auf Vorschlag des Vorsitzenden des Nationalen Rats zur Erhaltung des Friedens, Sunthorn Kongsompong, wird in einem königlichen Erlass General Suchinda Kraprayoon zum 19. Premierminister Thailands ernannt.
Am 17. Mai 1992 demonstrieren in Bangkok über 150.000 Menschen gegen Premierminister Suchinda. Als Protestführer Chamlong Srimuang mit einer Gruppe von 30.000 bis 40.000 Demonstranten vor das Regierungshaus ziehen will, kommt es an der Phan-Fa-Brücke in Bangkok zu den ersten blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten. Zwischen drei und acht Demonstranten werden von den Ordnungskräften erschossen. Premierminister Suchinda verhängt über Bangkok und Zentral-Thailand das Ausnahmerecht und verbietet politische Zusammenkünfte von mehr als 10 Personen.
Am Nachmittag des folgenden Tages gehen Polizei und Militär rabiat gegen die Gruppen von Demonstranten vor, die sich nach dem brutalen Militär- und Polizeieinsatz des Vorabends nicht zerstreut haben. Chamlong Srimuang wird vor laufenden Kameras internationaler Fernseh-Teams verhaftet. Auch unter den Demonstranten macht sich zunehmend Bereitschaft zur Gewalt breit. Steine und Molotow-Cocktails werden geworfen, Barrikaden errichtet. Das Militär antwortet mit Salven aus automatischen Waffen. Eine grosse Zahl von Demonstranten wird erschossen, andere werden halbtot geprügelt. Demonstranten, denen es gelingt, vor den anrückenden Truppen zu fliehen, gruppieren sich in anderen Teilen der Stadt. Vor dem Amt für Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations Department) versammeln sich über 10.000 Demonstranten. Spät am Abend setzen Demonstranten das Amt für Öffentlichkeitsarbeit in Brand. Nach Tagen weiterer Demonstrationen legt Premierminister Suchinda legt am 24. Mai 1992 sein Amt nieder.
Bei landesweiten Parlamentswahlen am 13. September 1992 verbuchen erwartungsgemäss die sogenannten "Pro-Demokratie"-Parteien starke Gewinne. Die meisten Parlamentssitze, insgesamt 79, erringt die Demokratische Partei. Die weiteren Ergebnisse: Chart Thai, 77 Sitze; Chart Pattana, 60 Sitze; New Aspiration, 51 Sitze; Phalang Dharma, 47 Sitze; Social Action, 22 Sitze; Solidarity, 8 Sitze; Seritham, 8 Sitze; Muan Chon, 4 Sitze; Prachakorn Thai, 3 Sitze; Rassadorn, 1 Sitz. Neuer Premierminister wird der Führer der Demokratischen Partei, Chuan Leekpai.