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Jan Garanoz
Thanon Pemavipat
Chiang Rai, 57000
Thailand


Thailand / Geschichte / Bangkok-Ära - Absolute Monarchie

Am 2. April 1782 wird Chao Phaya Chakri als König Rama I gekrönt. Es ist dies der Anfang der Chakri-Dynastie, die bis heute den thailändischen Thron besetzt. Die ersten Entscheidungen des neuen Königs betreffen seine Hauptstadt. In verkürzter Form wird oft behauptet, Rama I hätte Bangkok als seine Hauptstadt gegründet, während zuvor Thonburi die Hauptstadt gewesen sei. Die Geschichte wird in dieser kurzen Form allerdings nicht korrekt wiedergegeben. Zum einen wurde Bangkok eigentlich nicht von Rama I gegründet. Die Stadt bestand schon seit Jahrhunderten, und sie war ein wichtiger Stützpunkt Siams im Handel mit Europa. Des weiteren ist die scharfe Trennung zwischen Bangkok und Thonburi geschichtlich nicht gerechtfertigt. Während die europäischen Händler beim Namen Bangkok blieben, einem Namen, den die Siedlung schon als kleines Dorf trug, war für die Thais die Stadt rechts und links des Chao-Phaya-Flusses Thonburi. Den Namen Thonburi erhielt die Siedlung beiderseits des Chao Phaya, als sie vom Dorf zur Stadt aufgewertet wurde. König Taksin hatte sich Thonburi als Hauptstadt ausgesucht. Und während es zutreffend ist, dass König Taksin seinen Palast und alle wichtigen neuen Gebäude auf dem rechten Ufer des Chao-Phaya-Flusses errichtete, umfasste die Stadt Thonburi doch beide Ufer des Flusses. König Taksins strategische Idee war es, den Fluss mitten durch die Hauptstadt fliessen zu lassen, da er einen neuerlichen burmesischen Angriff fürchtete und der Fluss als schneller Fluchtweg aus der Stadt dienen sollte.

Als jedoch Chao Phaya Chakri König von Siam wurde, war von der burmesischen Bedrohung nicht mehr viel übrig geblieben und Siam war längst wieder erstarkt. Rama I dachte nicht mehr in Fluchtweg-Kategorien, sondern in Kategorien einer starken Verteidigung. Für eine starke Verteidigung war ein grosser Fluss, der mitten durch die Hauptstadt floss, jedoch eher ein Nachteil, da der Flusslauf nur schwer zu verteidigen sein würde. Er entschloss sich deshalb dazu, den auf dem Westufer des Chao Phaya gelegenen Stadtteil, das heutige Thonburi, quasi aufzugeben und mit seinem Palast und den anderen zentralen Einrichtungen auf das Ostufer, das heutige Bangkok im westlichen Sprachgebrauch, umzuziehen. Um in günstigster Lage für seinen Palast Platz zu schaffen, wurde ein ganzes von Chinesen bewohntes Viertel des alten Bangkok schlechtweg evakuiert und niedergewalzt. Die chinesische Bevölkerung wurde drei Kilometer flussabwärts, in einem Gebiet mit Namen Samphaeng, neu angesiedelt. Das Samphaeng-Gebiet ist noch heute die Chinatown Bangkoks.

Im Jahre 1785 werden der neue grosse Königspalast und der Tempel des Smaragd-Buddha fertiggestellt. Die neue Hauptstadt wird offiziell eingeweiht und auf den folgenden neuen Namen getauft: "Khrung Thep Maha Nakhon Amorn Rattanakosindra Mahindrayutthaya Mahadilokpop Noparattana Radchhani Burirom Udom Rachnivet Mahastan Amorn Pimarn Avatarn Satit Sakatuttiya Vishnukarm Prasit." Auf deutsch: "Stadt der Engel, Grosse Stadt und Wohnsitz des Smaragd-Buddha, Uneinnehmbare Stadt des Gottes Indra, Grosse Hauptstadt der Welt, Geschmückt mit neun wertvollen Edelsteinen, Reich an gewaltigen königlichen Palästen, die dem himmlischen Heim des wiedergeborenen Gottes gleichen, Stadt, die von Indra geschenkt und von Vishnukarm erbaut wurde". Der Einfachheit halber wird der Name umgangssprachlich abgekürzt. Und westliche Besucher sind bis heute bei dem Namen geblieben, den die Siedlung trug, als sie noch ein kleines Dorf war: Bangkok.

Am 7. Dezember 1809 stirbt König Rama I im Alter von 72 Jahren, und einer seiner Söhne (er hatte 17, plus 25 Töchter) wird unter dem Namen Rama II neuer König. Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass die siamesischen Thronfolge-Regelungen mit den europäischen nicht identisch waren. Grundsätzlich hatte ein König freie Hand, seinen Nachfolger selbst zu bestimmen. Die Wahl fiel entweder auf einen Bruder oder einen Sohn. Der Thronfolger wurde oft früh bestimmt, und er erhielt den Titel Maha Uparat, was soviel wie Prinz des vorderen Palastes bedeutete. Tatsächlich bewohnte der designierte Thronfolger oft einen Palast, der dem des regierenden Königs vorgelagert war.

Gleichzeitig gab es oft auch einen Prinzen des hinteren Palastes, der als zweiter in der Thronfolge designiert war, und dieser bewohnte tatsächlich oft einen Palast, der sich hinter dem des Königs befand. Obwohl Thronfolge-Angelegenheiten nach diesem System sauber geordnet schienen, waren es aber oft weniger die Entscheidungen eines regierenden Königs, von denen es tatsächlich abhing, wer ihm auf den Thron nachfolgte, sondern die tatsächlich herrschenden Machtverhältnisse. Königsmord war zwar nicht der Stil mittelalterlicher thailändischer Politik; doch Thronfolgermord kam regelmässig vor, und oft war es ein führender General, der sich nach dem Tod eines Königs selbst auf den Thron beförderte.

Nach dem Tod seines Halbbruders König Rama III besteigt Prinz Mongkut am 2. April 1851 als König Rama IV den siamesischen Thron. Ihm wird der zusätzliche Name Phra Chomklao verliehen. Nachdem er 1824 bei der Thronfolge übergangen worden war, hatte Mongkut sich in ein buddhistisches Kloster zurückgezogen, wo er für 27 Jahre ein hochdiszipliniertes Leben geführt hatte. Er hatte in dieser Zeit einen neuen buddhistischen Mönchsorden mit dem Namen Thammayut gegründet, der bis heute besteht und dessen Regeln sehr viel strenger sind als die Regeln des vorherrschenden Mahanikai-Mönchsordens.

Während seiner Zeit als Mönch studierte Mongkut europäische Sprachen und europäische Wissenschaft. Mit diesem persönlichen Hintergrund steht er nach seiner Krönung der europäischen Kultur positiv gegenüber. Er verfolgt eine Politik der Öffnung nach Westen, die wesentlich dazu beiträgt, dass das siamesische Königreich in den folgenden Jahren seine Unabhängigkeit bewahren kann.

Abgesehen von den schon erwähnten Land-Konzessionen erlaubt König Mongkut den europäischen Grossmächten freien Handelszugang zum siamesischen Reich.

1868, nach dem Tod von König Rama IV, besteigt dessen ältester Sohn Chulalongkorn (einer von 39 Söhnen und 43 Töchtern aus 39 gleichzeitigen Ehen) den siamesischen Thron. Chulalongkorn war durch seine Ausbildung auf das Königsamt gut vorbereitet worden. So hatte er zum Beispiel bei der englischen Witwe Anna Leonowens Englisch gelernt. Anna Leonowens schrieb über ihre Erfahrungen am siamesischen Hof zwei Bücher: An English Governess at the Siamese Court und Romance of a Harem. Auf Anna Leonowens Büchern basiert der Film The King and I (der in Thailand übrigens verboten wurde).

Chulalongkorn
Photo: Reiter-Standbild König Chulalongkorns vor dem Parlamentsgebäude in Bangkok


Wie sein Vater, so entwickelt sich Chulalongkorn nicht nur zum geschickten Politiker, sondern zu einem für seine Zeit ausgesprochen modernen Monarchen. Zu seinen Regierungsmassnahmen gehört zum Beispiel die Abschaffung der Sklaverei.

1896 unterzeichnen Frankreich und Grossbritannien einen Vertrag, in dem sie sich darauf verständigen, trotz der beidseitigen Expansion in Südostasien einen unabhängigen Staat Siam bestehen zu lassen. Um Siams Position als unabhängiger Staat zu stärken, unternimmt Chulalongkorn 1897 und 1907 zwei ausgedehnte Reisen durch mehrere europäische Länder und trifft dort mit Königen und Kaisern zusammen.


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Created: September 1, 1995 - Last updated: February 4, 2008