Die wichtigste Religion Thailands ist der Buddhismus, und zwar der Buddhismus der Theravada-Konfession. Rund 94 % der Bevölkerung des Landes hängt dem Theravada-Buddhismus an. Die buddhistische Doktrin wird an allen Schulen des Landes ausser im moslemischen äussersten Süden gelehrt und ist fester Bestandteil des Lehrplans.
Fast alle buddhistischen religiösen Zeremonien haben das Wat zum Mittelpunkt. Wats sind meistens eine Mischung aus Kirche und Kloster. Es gibt rund 32.000 Wats im Land. Es ist Sitte, dass jeder Mann irgendwann in seinem Leben wenigstens einmal für drei Monate Mönch wird, um die buddhistische Lehre zu studieren. Auch der gegenwärtige König, Bhumiphol Adulyadej, war einmal während seiner Regentschaft Mönch, und zwar 1956, als er vom Palast ins Wat Bovornivet umzog. Kronprinz Vajiralongkorn wurde 1978 für einige Monate Mönch.
Während Äbte normalerweise auf Lebenszeit Mönch sind, stellen Mönche auf Lebenszeit in den Klostern normalerweise nur eine Minderheit dar. Mönche unterliegen einem strengen Zölibat. Es ist ihnen nicht nur der sexuelle Kontakt mit Frauen verboten, sondern er wird von Ihnen auch erwartet, dass sie nie in körperliche Berührung mit Frauen geraten. Allerdings besteht die Zölibats-Regelung nur für die Zeit, in der die Mönchskutte getragen wird. Deshalb können durchaus auch verheiratete Männer Mönch werden - auf beliebig lange. Allerdings sollten sie während dieser Zeit jeglichen körperlichen Kontakt mit ihrer Ehefrau vermeiden.
Photo: Thailändische buddhistische Mönche
Der Buddhismus ist wahrscheinlich die toleranteste Religion auf der Welt. Der Buddhismus kann mit jeder anderen Religion auf der Welt koexistieren, und es verbietet der Buddhismus seinen Anhängern nicht einmal, gleichzeitig irgendeiner anderen Religion anzuhängen. Der Grund dafür ist, dass der Buddhismus im Grunde eine gottlose Religion ist - blasphemisch wie sich das für den Besucher aus dem Westen anhören mag. Der Buddhismus stellt sich über jegliches Gott-Verständnis - Gottheiten jeglicher Religion werden als Bestandteil der diesseitigen Welt aufgefasst. Die buddhistische jenseitige Welt, das Nirwana, steht über jeglicher Gottheit, und nach buddhistischem Verständnis unterliegen Gottheiten genauso den Erkenntnissen des Buddha wie jeder Mensch. Man könnte sagen, das Nirwana ist jenseits von Gut und Böse, während die Gottheiten anderer Religionen immer stets die gute Kraft verkörpern und deshalb diesseits von Gut und Böse sind.
Da der Buddhismus mit jeder anderen Religion koexistieren kann, blickt Thailand auf eine lange Tradition religiöser Toleranz zurück, ganz im Unterschied zu den anderen Welt-Religionen, insbesondere dem Christentum und dem Islam. Laut Verfassung ist der thailändische König (obwohl vorausgesetzt wird, dass er Buddhist ist) nicht nur das Staatsoberhaupt, sondern auch der Wahrer aller Religionen, nicht nur des Buddhismus.
Da es der buddhistischen Lehre widerspricht, irgend etwas durch Machtausübung zu erreichen, ist die buddhistische Religion nicht nur toleranter als andere Religionen - sie ist auch in geringerem Masse institutionalisiert. Eine Art buddhistischen Vatikan gibt es nicht. Dementsprechend wird ein Grossteil der weltlichen Angelegenheiten des Buddhismus, von Fragen des Landbesitzes bis zum Erhalt buddhistischer architektonischer Monumente, vom Staat wahrgenommen, und zwar über das Department of Religious Affairs im Bildungsministerium. Allerdings gelten viele Wats in jüngster Zeit als reich. In der Presse wurde berichtet, dass es unter den Wats etliche geben soll, die dicke Bankkonten unterhalten - eine Folge von Geld-Spenden reicher thailändischer Geschäftsleute.
Da es eine institutionalisierte buddhistische Kirche nicht in dem Ausmasse gibt, wie institutionalisierte christliche Kirchen, ist es in Thailand auch eher der Staat, der religiöse Vergehen definiert und sie auch strafrechtlich verfolgt.
Die folgende Erläuterung ist dem englischsprachigen Traveller's Guide to Thailand entnommen, der von der Tourist Authority of Thailand veröffentlicht wurde:
"Die Gesetze Thailands umfassen einige Paragraphen, die sich mit religiösen Vergehen befassen, und diese Gesetze gelten nicht nur für den Buddhismus, die Religion der Mehrheit der Thai-Bevölkerung, sondern auch für jede andere Religion, die im Königreich vertreten ist. So ist es zum Beispiel gesetzeswidrig, auf welche Art und Weise auch immer, eine Handlung zu begehen, durch die ein Gegenstand an einem Ort religiöser Verehrung jeglicher Religion beleidigt wird. Gleichermassen unterliegt eine Person, deren Handlungen als 'Störung einer Gemeinde zu verstehen ist, die sich gesetzmässig zu einer religiösen Versammlung oder dem Vollzug religiöser Zeremonien zusammengefunden hat', einer Bestrafung, ebenso wie jegliche Person, 'die sich durch ihre Kleidung oder durch religiöse Symbole als Priester, Mönch, Heiliger oder Kirchenmann ausweist, ohne rechtmässig selbige Position innezuhaben, und dies mit dem Anliegen, andere Leute glauben zu machen, man sei ein solcher Würdenträger.'
Hier sind, in einfacherer Formulierung, ein paar Hinweise, wie man sich zu verhalten hat, wenn man Orte religiöser Andacht besucht:
- Man sollte sauber angezogen sein. Besuchen Sie Orte religiöser Andacht nicht ohne Hemd, oder in kurzen Hosen, 'heissen Höschen' oder anderer unpassender Bekleidung. Schauen Sie sich Thais in Ihrer Umgebung an, und dann werden Sie sehen, welche Art von Bekleidung von Ihnen erwartet wird. Es ist dies eine Bekleidung, die sich wahrscheinlich nicht von der Bekleidung unterscheidet, die von Ihnen auch zu Hause erwartet wird, wenn Sie Orte religiöser Andacht besuchen.
- Es ist nichts daran auszusetzen, wenn Sie Ihre Schuhe anbehalten, während Sie in einem Tempelhof herumlaufen. Wenn Sie allerdings eine Tempelhalle besichtigen, sollten Sie Ihre Schuhe auf jeden Fall ausziehen. Seien Sie nicht um Schmutz besorgt. Die Böden von Tempelhallen sind in der Regel sehr sauber.
- Buddhistischen Mönchen und Priestern ist es verboten, Frauen zu berühren, oder von Frauen berührt zu werden, oder aus der Hand einer Frau irgend etwas entgegenzunehmen. Wenn eine Frau einem Mönch oder Novizen etwas geben möchte, dann übergibt sie dies zunächst einem Mann, der es dann weiterreicht. Die andere Möglichkeit ist, dass der Mönch einen Teil seiner Robe oder auch nur ein Taschentuch ausbreitet, auf das die Frau ihre Gabe dann legt.
- Alle Buddha-Darstellungen, ob gross oder klein, und auch ob zerstört oder nicht, gelten als heilig. Deshalb steigt man nicht auf Buddha-Statuen, um sich dort photographieren zu lassen, oder, allgemeiner gefasst: man tut nichts, was auf mangelnden Respekt für die Buddha-Statue schliessen liesse."