Myanmar / Bagan / Die Stadt
Photo: Pagoden und Pagoden-Ruinen in Bagan
Bagan, gegründet im Jahre 849 und am Ayeyarwaddy-Fluss rund 500 Kilometer nördlich von Yangon gelegen, ist heute zwar nur noch eine Kleinstadt... aber eine Kleinstadt mit einer grossen Vergangenheit. Denn Bagan war die Hauptstadt des ersten Reiches im heutigen Myanmar, dessen Herrschaftsbereich ungefähr die Ausdehnung des heutigen burmesischen Staates hatte.
Bagan... eigentlich ist es heute mehr eine archäologische Stätte als eine Stadt, denn über 2000 Pagoden stehen weitgehend unbeschädigt auf einem Gelände von knapp über 40 Quadratkilometern - in etwa die Ausdehnung des klassischen Bagan. Ausserdem finden sich auf diesem Gelände, das in Spaziergängen zu bewältigen ist, mindestens weitere 2000 Tempelruinen. Auch wenn Bagan weniger bekannt ist als Angkor Wat in Kambodscha, so wird es, was seine archäologische Bedeutung betrifft, doch bisweilen mit der Tempelstadt der Khmer verglichen.
Das Blütezeit Bagans, und architektonisch die Blützeit Myanmars, begann 1044 mit der Thron-Besteigung des Bagan-Königs Anawratha. Nachdem König Anawratha 1056 von einem Mon-Mönch, Shin Arahan, zum Buddhismus bekehrt worden war, zog er ein Jahr später gegen die Mon-Stadt Bago zu Kriege, um in den Besitz heiliger buddhistischer Schriften (der Tripitaka) zu gelangen, die der Mon-König Manuba nicht freiwillig herausgeben wollte.
Nach monatelanger Belagerung Bagos ergab sich Manuba. Bago wurde zerstört, die Tripitaka auf dem Rücken von 32 weissen Elefanten nach Bagan geschafft. Doch die heiligen buddhistischen Schriften waren nicht der einzige Kriegsgewinn. Die burmesische Armee brachte auch 30.000 gefangene Mons nach Bagan, unter ihnen zahlreiche Handwerker und Künstler, die in den folgenden Jahrzehnten die Kultur Bagans nicht nur bereicherten, sondern geradezu bestimmten. Pagoden wurden in der unmittelbaren Folgezeit fast durchweg im Mon-Stil erbaut.
Die Ansiedlung der Mon-Künstler und -Handwerker hatte aber nicht nur zur Folge, dass Pagoden im Mon-Stil erbaut wurden. Sie führte überhaupt zu einer Bautätigkeit, wie sie Myanmar bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht erlebt hatte.
1287 wurde Bagan von mongolischen Reiterhorden unter Kublai Khan erobert. Die Stadt, bzw. die aus Holz errichteten säkularen Gebäude wurden weitgehend niedergebrannt und das Bagan-Reich zerfiel bald darauf in viele kleine Königreiche und Fürstentümer. Die Stadt wurde auch in späterer Zeit nicht wieder aufgebaut.
1975 allerdings wurden bei einem schweren Erdbeben zahlreiche kleinere Tempelanlagen stark beschädigt oder zerstört, und selbst eine Reihe grosser und massiv gebauter Tempel und Pagoden wurde beschädigt.