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Herpes, Trichomonaden, Gardnerella, Schanker, Warzen

TRICHOMONADEN

Gilt eigentlich nicht als richtige VD (Venereal Disease), da hauptsächlich Frauen davon betroffen sind. Darum findet man die meisten Infos darüber in Gynäkologischen Texten. Aber da die Frauen damit auch Männer anstecken können, ist es sexuell übertragbar und damit schon eine VD/STD.

Bei Frauen sind Trichomonaden relativ häufig (zumindest in den Philippinen), man sieht beim Abchecken in der Scheide einen riesigen Swimming Pool, eine gelbliche Brühe mit einer Art Bläschenbildung. Das ist absolut charakteristisch für Trichomonaden, das kann man auch ohne Mikroskop leicht diagnostizieren.

Im Mikroskop (Wet Mount mit NSS) kann man dann die Tierchen (Protozoen, amöbenartig) lebendig rumschwimmen sehen, das ist lustig, das erschreckt die Frauen immer ungeheuer, wenn man sie das sehen lässt. Der Schrecken ist völlig unbegründet,Trichomonaden sind 10x harmloser als Chlamydien, weil sie, auch wenn man sie jahrelang unbehandelt lässt, keinen Schaden im Körper anrichten können.

Männer sind selten davon betroffen, weil die Trichomonaden in der männlichen Harnröhre nicht so leicht Fuss fassen können, wahrscheinlich weil sie durch den Urin ständig wieder ausgeschwemmt werden, bevor sie sich richtig etablieren können. Sogar wenn die Infektion richtig etabliert ist, kann man, wenn man Glück hat, durch viel Trinken die Trichomonaden ohne Antibiotika wieder los werden - das ist einmalig unter den STDs. Nur wenn sie sich mal in der Prostata festgesetzt haben, bringt man sie nicht so leicht wieder los.

Eine Trichomonaden-Infektion ist beim Mann oft symptomlos oder fast symptomlos, da sie in den meisten Fällen keinen richtigen Ausfluss verursacht. Nur ein eventuelles Jucken und Kitzeln in der Harnröhre kann Verdachtsmomente liefern. Mit dem Mikroskop kann man Trichomonaden beim Mann kaum finden, weil mengenmässig in der Harnröhre einfach zu wenig vorhanden sind.

Die einziges Möglichkeit wäre eine Kultur, aber das machen nur wenige Labors. Man kann also beim Mann im Prinzip nur auf Verdacht behandeln. Wenn man Symptome wie leichtes Jucken oder Kitzeln in der Harnrohre hat, kann es sich um Trichomonaden handeln. Ist dann nach der Behandlung das Kitzeln & Jucken verschwunden, dann hat man nachträglich die Bestätigung, dass die Diagnose Trichomonaden richtig war.

Die BEHANDLUNG ist simpel:

METRONIDAZOLE (FLAGYL) 2 g Single Dose, nicht auf leeren Magen.

Strikt verboten: Auch nur ein Tropfen ALKOHOL, weil das zusammen mit dem Flagyl eine schreckliche Wirkung erzeugt.

Das Flagyl ist normalerweise immer erfolgreich. Nur wenn die Trichomonaden in die PROSTATA eingedrungen sein sollten, dann reicht eine EINZELDOSIS oft nicht. In diesem Fall muss die Behandlung über mehrere Tage oder sogar eine Woche hinweg erfolgen, evtl. sogar in Verbindung mit Prostata-Massagen. Infektionen in der Prostata sind immer problematisch, weil Antibiotika das Prostata-Gewebe nur schwer durchdringen können.

GARDNERELLA VAGINALIS

Das ist keine Geschlechtskrankheit, da nicht auf Männer übertragbar, sondern eine reine endogene Infektion von Frauen. Trotzdem schliesse ich es in diese Liste mit ein, weil es u. U. sehr nützlich sein kann, darüber Bescheid zu wissen. Nützlich deshalb, weil es in einigen Ländern Südost-Asiens sehr häufig vorkommt und das Hauptsymptom ein sehr übler Scheidengeruch ist.

Wenn Du z.B. mal eine Freundin triffst, die davon befallen ist, dann kannst Du sie in kurzer Zeit mit sehr einfachen Mitteln davon befreien. Die meisten Leute sind der Ansicht, dass übler Scheidengeruch nicht oder nur schwer therapierbar ist, weil sie nicht wissen, dass die Ursache eine simple Infektion ist, die mit relativ simplen Methoden geheilt werden kann.

GARDNERELLA V. ist ein Bakterium, das in Zusammenarbeit mit diversen anderen ANÄROBISCHEN Bakterien diesen üblen Scheidengeruch sowie etwas leichten Ausfluss produziert. Mikroskopisch (Gram Stain) sieht man ganze Teppiche von roten (gram-negativen) Bakterien, hauptsächlich kleine Kokken.

Die natürliche Scheidenflora, nämlich LACTOBAZILLEN, fehlt immer völlig bei Gardnerella. Die Ursachen für die Entstehung von Gardnerella sind wahrscheinlich die Dezimierung der natürlichen Flora (Laktobazillen) durch Antibiotika oder andere Ursachen sowie ein zu hoher ph-Wert für die Scheide. Eine gesunde Vagina muss ACIDIC sein, d.h. einen niedrigen ph-Wert haben; das hindert viele negative Bakterien an der Ausbreitung.

BEHANDLUNG: Die Medizin ist die gleiche wie bei Trichomonaden, nur die Dosierung ist unterschiedlich:

METRONIDAZOLE (FLAGYL) 2 g am 1. TAG. Dasselbe am 3.TAG. Evtl. ist es nützlich, zur Regenerierung der natürlichen Scheidenflora Vagiflor-Suppositories (LAKTOBAZILLEN) zu nehmen.

WARZEN (KONDYLOME)

Gar nicht so selten auch bei Männern; schon viele Bekannte von mir hatten das mal. Gefährlich für Frauen sind vor allem Typ 16 und Typ 18, weil die Zervikalkrebs auslösen können, aber ich glaube kaum, dass äquivalent dazu den Männern von diesen Warzen-Typen der Penis-Krebs droht, denn das ist extrem selten bei Männern.

Die INKUBATIONSZEIT für Warzen ist sehr variabel und kann extrem lange sein (1-8 Monate), bei multiplen Kontakten kann man hinterher deshalb kaum die Quelle wissen. Jede Frau innerhalb der letzten 8 Monate könnte der Überträger gewesen sein. In seltenen Fällen gehen Warzen nach Wochen oder Monaten von selbst wieder weg, aber das ist natürlich nicht die Regel. Die meisten Leute gehen zum VD-Arzt, der die Warze(n) hauptsächlich mit 2 operativen Methoden entfernt: Hitze (Electro-Cautery) oder Kälte (Liquid Nitrogen), wegbrennen oder wegfrieren sozusagen.

Es gibt aber auch ein sanfteres Mittel zur Selbstbehandlung, das aber leider in Asien kaum irgendwo erhältlich ist. Dieses Mittel heisst PODOPHYLLIN. Das ist eine Flüssigkeit, die man extrem vorsichtig, genau nach Gebrauchsanleitung auf die Warze(n) träufeln muss, und die dann die langsame Auflösung der Warze bewirkt.

Das Mittel ist sehr stark, darum muss auf den Tropfen genau dosiert und gezielt werden, sonst wird das gesunde umliegende Gewebe gleich mit verätzt. Ein Freund von mir, der sehr warzenanfällig war, brachte das PODOPHYLLIN gleich jedesmal vorsichtshalber aus Europa mit, wenn er nach Asien kam.

Es gibt noch ein weniger gebräuchliches Mittel, das auch hier in Asien leicht erhältlich ist, eine Labor-Chemikalie namens TRICHLOROACETIC ACID. Das kann man genauso wie PODOPHYLLIN zur Selbstbehandlung verwenden. Aber ich habe damit keine praktische Erfahrung und weiss nicht, ob das genauso sicher und effektiv wie PODOPHYLLIN ist.

HERPES SIMPLEX

In bezug auf Herpes nehme ich an, dass Du die wichtigsten Fakten kennst, da brauche ich hier nicht viel erzählen. Da Herpes in den meisten Fällen nach ca. einer Woche von selbst wieder verschwindet, ist eine Behandlung eigentlich überflüssig.

Man kann mit einer früh genug begonnenen Behandlung zwar den Verlauf der Infektion um 2 bis 3 Tage verkürzen, aber das ist normalerweise nicht besonders relevant. Ich habe meinen Herpes nie behandelt, weil es mir egal war, ob ich diese Bläschen, die mir keine Schmerzen und nur absolut minimale Symptome verursachten, 2 oder 3 Tage länger hatte oder nicht. Die Lokation meiner Infektion war allerdings nicht an den Genitalien, sondern in der Leistengegend, und da spielt es noch weniger eine Rolle.

Wenn die Infektions-Stelle allerdings sehr ungünstig ist, empfehle ich natürlich schon eine Behandlung. Einer meiner Freunde hatte kürzlich das Pech, sich einen INTRA-URETHRALEN HERPES einzufangen (das kommt relativ selten vor). Das war extrem unangenehm, jedes Wasserlassen verursachte ihm grosse Schmerzen u.a.; in so einem Fall zählt natürlich jede Stunde. Er nahm also auf meine Empfehlung hin sofort das Herpes-Mittel:

ACYCLOVIR (ZOVIRAX) Tabletten (200 mg) 5x täglich.

Das war in diesem Fall extrem erfolgreich, nach kaum 2 Tagen waren seine Beschwerden praktisch verschwunden. In gewissen Situationen kann es also sehr sinnvoll und effektiv sein, so ein Herpes-Mittel anzuwenden.

Es gibt noch ein ähnliches Mittel der gleichen Familie namens FAMCICLOVIR, das den Vorteil hat, dass man es nur 2-3x pro Tag einnehmen muss anstatt 5x wie das ACYCLOVIR. Ob es sonst verglichen mit dem ACYCLOVIR besser oder schlechter ist, kann ich nicht sagen. Das ACYCLOVIR ist auf jeden Fall das viel berühmtere Mittel; das ist das, was praktisch jedermann nimmt.

Es gibt auch noch eine lokale ACYCLOVIR-Crème. Wenn man die zusätzlich zu den Tabletten nimmt, könnte das vielleicht den Verlauf der Infektion noch weiter abkürzen.

SCHANKER (CHANCROID. - ULCUS MOLLE - WEICHER SCHANKER im Gegensatz zur SYPHILIS = HARTER SCHANKER)

Extrem selten, aber in bestimmten Ländern vielleicht doch noch häufiger als Syphilis; ich hatte jedenweils etliche Fälle. Die Differentialdiagnose ist am leichtesten über die INKUBATIONSZEIT zu machen: SCHANKER = meistens sehr kurz, 3-5 Tage (kann auch etwas länger sein), während SYPHILIS in der Regel 3-4 Wochen braucht; die Inkubationszeit für Syphilis kann aber bis zu 3 Monaten dauern.

Da es aber auch atypische Inkubationszeiten geben kann, ist das kein absolut sicheres Kriterium, und wenn man multiple Kontakte hat, weiss man eh nicht, von wem die Infektion stammt und damit auch nicht die Inkubationszeit. Ein weiteres Kriterium ist dass das SYPHILIS-Geschwür (wenn keine sekundäre Infektion hinzukommt) immer schmerzlos ist, während der SCHANKER oft etwas schmerzhaft sein kann.

Da man das Schanker-Bakterium bis jetzt nicht kultivieren kann und es auch im Mikroskop schwer zu differenzieren ist, kann man eine Labor-Diagnose nur durch negativen Ausschluss der SYPHILIS (Dunkelfeld-Mikroskopie) machen.

Die OPTIMALE BEHANDLUNG ist die folgende:

CEFTRIAXONE (ROCEPHIN) 250 mg eine einzige intramuskuläre INJEKTION (eradiziert simultan auch den Tripper, nebenbei bemerkt).

Wer keine Injektionen mag, für den ist die ZWEITBESTE BEHANDLUNG diese:

RIFAMPICIN 600 mg 1x daily für 3 Tage.

Fast alle anderen möglichen Optionen sind Mumpitz, weil man die anderen Mittel für viel längere Zeit einnehmen muss und zudem das Schanker-Bakterium gegen viele dieser Mittel schon Resistenzen aufweist. RIFAMPICIN ist ursprünglich ein Antibiotikum für Tuberkulose, ist aber eins der vielseitigsten Antibiotika überhaupt; es wirkt u.a. gegen Chlamydien, Tripper, Staphylokokken (Follikulitis, Boils) und viele andere wichtige Infektionen.



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Jan Garanoz
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Last updated: August 19, 2010