Photo: Mit dem grössten See, dem Tonle Sap, und dem grössten Fluss Südost-Asiens, dem Mekong, leben die Kambodschaner traditionell in engem Kontakt zu Wasser. Dies zeigt sich noch heute daran, dass Häuser oft über Wasser gebaut werden, entweder auf Stelzen, oder (siehe unten) weit in einen Fluss hinein.
Laut Asiaweek vom 6. Juli 1994 beträgt die Bevölkerung
Kambodschas Mitte 1994 rund 8,9 Millionen. Damit ist Kambodscha
bevölkerungsmässig der zweitkleinste Flächenstaat
in Südost-Asien. Die meisten anderen südostasiatischen
Staaten haben ein Vielfaches der Bevölkerung Kambodschas:
Indonesien 191,1 Millionen; Vietnam 73 Millionen; Philippinen
65,6 Millionen; Thailand 59,5 Millionen; Burma 45 Millionen; Malaysia
19,4 Millionen. Unter den Flächenstaaten hat nur Laos
mit 4,5 Millionen eine kleinere Bevölkerung. Die Bevölkerung
des Stadtstaates Singapur liegt bei 3,1 Millionen.
1975 hatte die Bevölkerung Kambodschas rund 7,2 Millionen
betragen. In den vier Jahren der Herrschaft der Khmer Rouge
sank die Bevölkerung auf rund 6 Millionen herab -
auf Grund des Völkermords der Khmer Rouge, aber auch
auf Grund von Hungersnöten und Flucht aus dem Land, insbesondere
des traditionell starken vietnamesischen Bevölkerungsanteils.
Die dominierende Volksgruppe in Kambodscha sind die Khmer,
die etwa 85 % der Bevölkerung ausmachen. Der Rest sind überwiegend
Vietnamesen - obwohl auch noch rund 100.000 ethnische Chinesen,
rund 100.000 moslemische Chams und eine Reihe von Primitiv-Völkern
in Kambodscha leben.
Photo: Häuser im Mekong bei Phnom Penh.
Vietnamesen machen gegenwärtig auf jeden Fall über 5
%, vielleicht auch knapp 10 % der Bevölkerung aus. Während
der Herrschaft der Khmer Rouge ist ein Grossteil der vietnamesischen
Bevölkerung Kambodschas nach Vietnam geflohen, nach
der vietnamesischen militärischen Invasion von 1979 aber
wieder nach Kambodscha zurückgekehrt - zusammen mit neuen
vietnamesischen Immigranten.
Nachdem 1993 Einheiten der Khmer Rouge Überfälle
auf kambodschanische Familien vietnamesischer Abstammung unternommen
hatten und dabei ganze Familien, inklusive Frauen und Kinder,
grausam ermordeten, sind mindestens 20.000 Kambodschaner vietnamesischer
Abstammung, bzw. vietnamesische Immigranten, nach Vietnam geflüchtet.
Spannungen zwischen Khmers und ethnischen Vietnamesen sind in
Kambodscha seit Jahrhunderten an der Tagesordnung. Ethnische
Vietnamesen sind deshalb kaum in die Khmer-Bevölkerung integriert.
Und der tiefsitzende Hass auf Vietnamesen und alles Vietnamesische
ist die einzige Welle von Emotionen, auf der die Khmer Rouge
heute noch reiten können. Nur der Hass auf Vietnamesen
und alles Vietnamesische macht die Khmer Rouge in der kambodschanischen
Bevölkerung noch attraktiv, denn der wichtigste politische
Slogan der Khmer Rouge ist mittlerweile: Vietnamesen
raus.
Im Vergleich zu den ethnischen Vietnamesen sind die ethnischen
Chinesen stärker in die Khmer-Bevölkerung integriert
- wie z.B. auch in Thailand, während in den malaiischen Ländern
(Indonesien, Malaysien, Philippinen) die Chinesen sich mit der
einheimischen Bevölkerung weniger vermischten.
Vor der Machtübernahme der Khmer Rouge im April 1975
spielten Chinesen, oder Khmer-Familien mit chinesischen Vorfahren,
eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben Kambodschas, aber
auch in der Politik. Lon Nol, der mit US-Unterstützung vor
der Machtübernahme der Khmer Rouge regierende Militärdiktator,
hatte einen chinesischen Grosselternteil.
Doch während der Herrschaft der Khmer Rouge hatte
auch die chinesische Bevölkerung Kambodschas, die noch nicht
geflohen war, wie die vietnamesische, überdurchschnittlich
gelitten. Eine neuerliche Auswanderungswelle von Kambodschanern
chinesischer Abstammung gab es nach der vietnamesischen Militärinvasion
von 1979 - denn die politischen Beziehungen zwischen Vietnam
und China waren zu diesem Zeitpunkt alles andere als
gut.
Mitte der 90er Jahre wird der chinesische Bevölkerungsanteil
in Kambodscha auf etwa 100.000 geschätzt, etwas mehr als
1 %.
Ebenfalls bei rund 100.000 liegt die Zahl der übriggebliebenen
Chams (vor der Pol-Pot-Herrschaft waren es rund doppelt
so viele). Die Chams siedeln seit einigen hundert Jahren auf
einem Territorium nördlich Phnom Penhs, das traditionell
überwiegend Khmer-Siedlungsraum ist, stammen aber ursprünglich
aus der Gegend von Danang im heutigen Vietnam. Dort bestand
bis ins 15. Jahrhundert das Königreich Champa, das
für mehrere hundert Jahre die Handelsroute zwischen China
und Südost-Asien beherrschte.
Die Chams wurden jedoch in der Folgezeit von den bevölkerungsstärkeren
Vietnamesen (Annamesen) immer weiter nach Süden und
Westen gedrängt, bis sie in einer Zeit des Niedergangs
des Angkor-Reiches ihren Siedlungsraum auf dem Territorium des
heutigen Kambodscha fanden.
Im 17. Jahrhundert, nachdem der Khmer-König Chan zum
Islam übergetreten war und die Immigration malaiischer Moslems
nach Kambodscha förderte, konvertierten die Chams überwiegend
zum Islam. Der Einfluss, den malaiische Moslems auf die
Chams ausübten, ist noch heute an zahlreichen Bräuchen
der Chams, und unter anderem auch in der Art, sich zu kleiden,
erkennbar.
Ethnische Thais und Laoten leben nur in geringer
Zahl in Kambodscha. Ihre Siedlungsräume beschränken
sich auf die Stadt Battambang in West-Kambodscha, sowie die jeweiligen
Grenzregionen. Ein Grund für die geringe Penetration Kambodschas
aus diesen zwei Nachbarländern ist sicherlich in der Topographie
der Grenzregionen zu Thailand und Laos zu sehen. Während
es zwischen Kambodscha und Süd-Vietnam keine natürlichen
Grenzen gibt, und die Regionen sogar eine geographische Einheit
bilden, folgen die Grenzen, insbesondere zwischen Thailand
und Kambodscha, klar den dort vorzufindenden Gebirgszügen.
Statistische Angaben
Nach rund 25 Jahren Bürgerkrieg hat Kambodscha einen der
weltweit höchsten Bevölkerungsanteile an Analphabeten.
Nach Angaben von Asiaweek vom 6. Juli 1994 können
in Kambodscha rund 65 % der Bevölkerung über 15 Jahre
nicht lesen und schreiben.
Einen höheren Anteil an Analphabeten findet man in Asien
nur in Afghanistan (über 70 %) und in Nepal (fast 75 %).
Zum Vergleich: in Thailand liegt die Zahl der Analphabeten im
Alter über 15 Jahre gerade noch bei 7 %, in Vietnam bei 12
%.
Die Kindersterblichkeit (Tod innerhalb des ersten Lebensjahres)
liegt in Kambodscha bei 111 pro 1000 Lebendgeburten; sie ist in
Asien nur höher in Bhutan (129) und Afghanistan (164). In
Thailand liegt sie bei 26, in Vietnam bei 37, in Deutschland bei
6 und in Japan bei 4.
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Kambodscha
bei 51 Jahren. In Asien ist sie nur niedriger in Afghanistan (43
Jahre). In Thailand liegt sie bei 69 Jahren, in Vietnam bei 64,
in Deutschland bei 76 und in Japan bei 79 Jahren.
In Kambodscha kommt auf 16.365 Leute ein Arzt. Nur Nepal
ist ärztlich schlechter versorgt als Kambodscha, mit 16.830
Leuten pro Arzt. In Thailand kommt ein Arzt auf 4361 Leute, in
Vietnam auf 2857 Leute. In Deutschland dagegen kommt ein Arzt
auf 333 Menschen, in Italien sogar auf 210.
Einsame Spitze ist in Kambodscha der Mangel an Telefonen.
1212 Leute teilen sich einen Apparat - im gut versorgten Thailand
sind es 26,3; in Vietnam 386 Leute pro Telefon. In Deutschland
teilen sich statistisch 1,8 Menschen ein Telefon, in der Schweiz
sind es sogar nur 1,1 Leute pro Anschluss.